Älter als Methusalem

Microsoft Clip

 

Zur Geschichte der Pappeln 
Pappeln gehören heute nicht nur in der Weite des Niederrheins zu einem landschaftsprägenden Element.

In vielen Gegenden der Welt, von Amerika, Nordwest-Afrika über China bis in den europäischen Raum begleiteten sie die Lebenswege vieler Menschen in den unterschiedlichsten Epochen.
Unzählige Mythen ranken sich um die Espen, die sich neben den Birken nach der Eiszeit – vor zirka 135 Millionen Jahren – als einer der ersten Laubbäume ansiedelten. Der Psalm 137 berichtet von den Juden, die im 6. Jahrhundert v. Chr. unter den Euphrat-Pappeln ihre Klagelieder anstimmten – ein vermutlich erstes schriftliches Zeugnis.

Wann dieser Baum in Deutschland, insbesondere am Niederrhein Einzug gehalten hat, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Das älteste belegbare Datum ist das Jahr 1166 für die Schwarzpappel.

Die Pappel durchlebte in ihrem langen Leben Höhen und Tiefen. So war sie zur Zeit der französischen Revolution sehr beliebt und genoss eine regelrechte Blüte als „Freiheitsbaum“.

Heute wird sie allerdings im Reigen der Bäume oft auf eine der untersten Stufen gestellt und sogar aus vielen Baumschutzsatzungen wieder herausgenommen. „Nicht schützenswert“
lautet das vernichtende Urteil zumindest für alle nicht reinrassigen Pappeln.

Der Blick zurück beginnt mit der Frage: Welche Arten von Pappeln gibt es überhaupt?

Die Gattung populus umfasst weltweit mehr als 30 Arten mit fünf Sektionen, wovon in Europa zwei vertreten sind: die Sektion Leuce mit den Weißpappeln, wozu die Silber- und Zitterpappel – auch Espe genannt – gehören sowie die Sektion Agairos mit den einheimischen Schwarzpappeln und der italienischen Variante der Pyramidenpappel. Diese bezeichnet man auch als Säulenpappel.
Die ursprünglich in den niederrheinischen Auewaldlandschaften beheimateten reinrassigen Schwarzpappeln – eine typische Pionierbaumart der Weichholzauen – sind heute vom Aussterben bedroht. In Nordrhein-Westfalen konnten bis zum Jahr 1996 insgesamt 247 Schwarzpappeln mit Hilfe einer DNA-Analyse nachgewiesen werden. In den Hellwegbörden sind mit 99 Exemplaren die meisten zu verzeichnen, während in der Niederrheinebene insgesamt neun – vor allem in der Xantener Gegend, aber auch in Ginderich – zu finden sind. Die Forstgenbank begründete 1988 eine Samenplantage in Arnsberg, um diese reinrassigen Schwarzpappeln zu erhalten und wieder anzusiedeln. In der Zwischenzeit werden Schwarzpappeln wieder gezüchtet und werden im Rahmen von Aufforstungsprogrammen eingesetzt.

S. 66 aus dem Buch: „Welchen Weg geht die Pappel?“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s