Nicht warten, bis die letzte Pappel gefällt ist

Pappeln, die in Rees-Mehr gefällt wurden, Grund: Angler hatten sich über deren Laub beschwert

Die stattlichen 30 bis 35 Meter hohen Giganten können je nach Art an guten Standorten und entsprechender Pflege bis zu 300 Jahre alt werden und einen Durchmesser von bis zu zwei Metern erreichen, manchmal sogar mehr. Wenn man sie nur ließe.

Denn Pappelalleen sind in Deutschland akut gefährdet, weil ihnen gefährliche Astabwürfe und Kurzlebigkeit nachgesagt werden. Regelrechte Feldzüge gegen Alleen im Allgemeinen und insbesondere gegen Pappeln finden statt. Gibt man in eine Suchmaschine des Internets den Begriff „Pappeln“ ein, bekommt man zahlreiche Abholzungsnachrichten frei Haus geliefert.

Doch immer wieder ist auch von Bürgerprotesten gegen diese Maßnahmen zu lesen, in Mülheim an der Ruhr, Bremen und am Niederrhein. Selbst wenn einzelne Bäume wegen Erkrankungen oder aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden müssen, was Pappel-Liebhaber gar nicht bestreiten, wird oft aus rein wirtschaftlichen Erwägungen ein Kahlschlag der gesamten Allee durchgeführt.

 

Und ist den Pappeln dann der Garaus gemacht, sind oft keine Pappel- Nachpflanzungen geplant, sondern es wird mit anderen „unproblematischen heimischen Gehölzen“ aufgeforstet, obwohl es laut Homeyer„kein Standardgehölz für den Niederrhein gibt.“ Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, wann die letzte Pappel-Allee am unteren Niederrhein zu bewundern ist.
Dieses allmähliche Ausräumen der Landschaft bedeutet daher nicht allein das Sterben einer touristischen Attraktion, einen ästhetischen Frevel und ökologische Verarmung, sondern greift das Heimatgefühl der Menschen selbst an. Was wäre der Niederrhein ohne seine bizarren Pappelgestalten und Figurengruppen, ohne die pappelgesäumten Alleen und flüsternden Gestalten im Wind?

Nur noch eine platte Landschaft, die durch Hecken und langsam wachsende Bäume durchgrünt ist. An einigen Stellen ist genau das schon sichtbar. Da helfen weder die rein wirtschaftlichen Argumente der Schlagreife noch die Darstellung des rein ökologischen Werts einer Pappelreihe, sondern erst deren Zusammenschau.

Meistens belehrt aber erst der radikale Verlust über den Wert der Dinge, vor allem derer, die man als selbstverständlich hinnimmt wie die im Moment noch augenscheinlich
sehr zahlreich vorkommenden Pappeln. Dann könnte das wahr werden, was der Journalist Horst Stern einmal wie folgt ausgedrückt hat: „Bald werden wir überall hinfahren können,
aber es wird sich nicht lohnen, dort anzukommen.“

Noch ist es aber nicht so weit. Noch lohnt es sich, am Niederrhein zu leben und dorthin zu reisen .

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